Schwimmen wie der Predator: Der Ameo Powerbreather im Test

Schwimmen wie der Predator: Der Ameo Powerbreather im Test

Mit dem „Ameo Powerbreather“ können Schwimmer mit dem Kopf unter Wasser atmen. Das Ding ist x-fach preisgekrönt. Es soll das Schwimmen revolutionieren – und man sieht damit richtig schön Sci-Fi-archaisch aus. Aber: Was kann der Doppelschnorchel in der Praxis?

 

powerbreather

©Tom Rottenberg

„Wer will schon wie der Predator ausschauen“, schrieb Georg Pruscha. Und setzte dann nach , „damit fängt´s schon mal an.“  Wer bin ich, Georg Pruscha zu widersprechen? Zumindest in Fragen der Schwimmtechnik steht mir das nicht zu: Georg Pruscha ist – auch – Schwimmtrainer. Zu sagen „meiner“ wäre übertrieben – und unfair. Das würde Pruscha für meine gravierenden und leicht erkennbaren Fehler mitverantwortlich machen. Fehler, die etwa Harald Fritz sofort sah – und die ihn veranlassten, mir auf Facebook ein launig-bissiges „irgendwann werde ich dir doch mal schwimmen beibringen müssen“ zu posten. Der Triathlon-Trainer Fritz hatte Fotos gesehen. Fotos, auf denen ich den Ameo Powerbreather ausprobierte.

Das Testgerät

Aber der Reihe nach. Oder besser: Beinahe der Reihe nach. Georg Pruscha ist zwar nicht mein Schwimmtrainer, aber ein oder zweimal habe ich mir von ihm schon Tipps geholt. Und ihm beim letzten Mal en passant erzählt, dass ich den „Powerbreather“ von Ameo habe. Ein mittlerweile mehrfach ausgezeichnetes Trainingstool. Als Testgerät. Vom Hersteller, einem Unternehmen nahe München, geschickt. Und zwar als Reaktion oder Einladung, einen Schritt weiter zu gehen, nach einem kleinen Test für das Standard-RONDO: Ich hatte Handpaddles ausprobiert – und mir ein bisserl Expertise von den Trainern Pruscha und Fritz ausgeborgt.

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©Tom Rottenberg

Ein paar Wochen danach war ich mit Freunden als (selbstverständlich ganz regulär zahlender) Kunde mit Pruscha im Stadthallenbad. Und als ich ihm vom Powerbreather erzählte, verdrehte er die Augen: Er sei, sagte der Trainer, der unter anderem für die Wiener Sportordination im Einsatz ist, alles, nur kein Fan des Schwimm-Atemhelfers, der laut Herstellerhomepage mein Schwimmen revolutionieren würde. Erstens weil es wichtig sei, technisch richtig und sauber schwimmen zu lernen. Zweitens aus 1000 anderen Gründen – aber ich solle das Teil doch einfach ausprobieren.

Am Beckenrand

Tat ich auch: In meinem Fitnesscenter. Und obwohl ich weder bei John Harris noch sonst irgendwo dieses Ding je zuvor im Einsatz gesehen hatte, spielte der Zufall Regie. Als ich zum Pool kam, lag dort am Beckenrand schon exakt das Teil, das ich im kleinen, schmucken Köfferchen bei mir hatte: Der Ameo Powerbreather.

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©Tom Rottenberg

Das Ding sieht aus wie es aussieht. „Predator“-artig. Oder aus einem James-Bond-Film, in dem der große Gruppen-Nahkampf-Showdown unter Wasser stattfindet: Von einem an einen reduzierten Scuba-Atemautomaten oder ein vergrößertes ABC-Tauchset-Schnorchel-Atemteil erinnernden Mundstück – dem „Ameo Fresh Air System“ führen zwei Röhren („D-Tubes“) links und rechts um den Kopf. Ein per Dreh-Ratsche verstellbares Plastikband macht aus dem U ein O (oder ein Oval) – und auf die Röhren lassen sich unterschiedlich lange Schnorchelteile mit Rückschlagventilen („Speed Vents“) aufstecken: Kurz für den  Pool, länger für weniger ruhiges Open-Water-Training. Auf den ersten Blick sieht das Teil wie die auf High-Tech-Optik gepimpte Stereo-Version des klassischen ABC-Schnorchelsets aus.

Frische Luft

Bei Funktion und Anwendung gibt es dann aber gravierende Unterschiede: Mit dem Powerbreather atmet man durch den Mund sowohl ein als auch aus – und die Membranen im Zwei-Wege-Trennsystem des Mundstückes, lassen die ausgeatmete Luft direkt vor dem Mund ins Wasser hinaus. Blubbert schön und dramatisch, hat aber auch praktischen Nutzen: In den D-Tubes ist „stets frische und sauerstoffreiche Atemluft“. Steht in der Produktbeschreibung – und klingt vielversprechend.

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©Tom Rottenberg

Das Anlegen und Tragen des Gerätes ist im ersten Augenblick nichts für Menschen die mit der Kombination aus Enge & Atemnot rund ums Gesicht nicht umgehen können. Schon gar nicht unter Wasser. Das wissen die Hersteller – und raten deshalb dringend dazu, den Powerbreather zuerst einmal an Land, dann in Beckenrandnähe und erst dann, wenn man sich an Gefühl & Anwendung gewöhnt hat, tatsächlich beim Schwimmen zu verwenden.

Powerbreather? Panik!

Ich habe mit Beklemmungen kein Problem. Also ignorierte ich den Rat. Selber Schuld: Denn beim ersten Mal Luftholen bekam ich einen mentalen Stesser – und dann ein bissi Stress. Ich bin kein Taucher – darum sagt alles in meinem Körper zunächst einmal „sicher nicht“, wenn ich unter Wasser einatmen soll: Das muss man anfangs bewusst tun. Und dann – WTF!! – funktioniert es nicht. OMG! Im Kopf wird jetzt automatisch das Notprogramm getriggert: Nix wie raus mit Mund und Nase aus dem Wasser! Weg mit dem Scheiß! Aber der sitzt so fest! Ich werde nicht ertrinken, sondern ersticken! Und das unter Wasser! Panik!

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©Tom Rottenberg

Nein: Keine Panik. Hektik und Angst sind immer die schlechtesten Berater. Ganz besonders im Wasser. So rasch ertrinkt man auch nicht. Also: Fokussieren – und nochmal probieren. Nicht „einfach so“, sondern ganz bewusst. Mit Kraft. Fest ansaugen. Siehe da: Habemus Oxygen! Da kommt ja wirklich Luft. Hallelujah! Und jetzt ausatmen: Blubberblubberblubber. Super! Na dann: Schwimmen wir einfach los.

Learning by Einfahring

Ich stoße mich ab, lege den Kopf tief – und schlucke Wasser. Prustend tauche ich auf. Auf der Bahn neben mir schwimmt ein älterer Herr. Der Powerbreather, der am Beckenrand lag, als ich kam, gehört ihm. Er lacht. „Mir ging es anfangs genauso.“ Mein Fehler: Ich hatte nicht wirklich bedacht, wie weit ich den Kopf im Wasser haben würde, hatte die kurzen Speed Vents drauf – und die Tubes im falschen Winkel an meinen Ohren vorbei geführt. Die Ventile verhindern das Eindringen von Wasser von oben. Gut so. Bloß: Wenn ich – ungeübt aber mit voller Pulle – bei verschlossenem Ventil ansauge, verschiebt mein Ansaugdruck das Mundstück. Oder meine LIppen. Oder so ähnlich. Jedenfalls habe ich plötzlich Wasser im Mund. Statt es auszublasen, huste ich. Automatisch. Mein Mund geht also auf – und bevor ich das Mundstück wieder fest im Mund habe, kommt der nächste Schwall Wasser daher. „Learning by Einfahring“ nennt das meine Freundin. Nur: Das bin ich – nicht das Gerät.

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Der ältere Herr auf der Bahn neben mir lachte: „Anfangs ging es mir genauso.“ ©Tom Rottenberg

Einmal richtig justiert und nach ein paar weiteren Schlucken Pool-Wasser geht es mit dem Dings aber dann bald zügig und bequem dahin.

Nur: Brauche ich das Trum wirklich? Ich habe sowohl beim Kraulen als auch beim Brustschwimmen eine verheerend schlechte Technik und Wasserlage. Die Basics des Atmens sind aber kein Problem für mich. Warum soll ich also beim Training das bisserl, was ich halbwegs kann, weglassen?

Urlaubsschnorchel

Der ältere Herr neben mir sieht das genauso: „Ich verwende das Ding nur beim Beintraining. Oder wenn ich ganz bewusst an sehr spezifischen Aspekten meiner Technik arbeiten will.“ Lachender Nachsatz: „Oder beim Schnorcheln im Urlaub.“ Aber daran „Autobahnkilometer“ – schnell oder langsam – mit dem Atemhelfer abzuwickeln, denke er nicht im Traum.

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„Ich verwende das Ding nur beim Beintraining“, sagte der ältere Herr auf der Bahn neben mir. ©Tom Rottenberg

Nur zur Klarstellung: Nur weil der Mann ein „älterer Herr“ ist, heißt das keineswegs, dass er oder seine mit ihm schwimmende Frau wie die klassischen „Bade-Pensionisten“ im Freibad planschen. Ganz im Gegenteil. Das ist ja mit einer der ganz großen Benefits des Schwimmens. Das bestätigt mir später auch der Weisshaarige, mit dem ich mir „meine“ Bahn teile und der hier eine Stunde lang schön, ruhig, ohne Pause und geradezu meditativ-elegant eine Bahn nach der anderen krault. Er hat den Powerbreather noch nie zuvor gesehen und findet vor allem die Tatsache, dass die Membrane beim Atmen einen spürbaren Widerstand bieten „attraktiv“: Er ist Arzt. Internist. Und an dem zusätzlichen, positiven Trainingsreiz für die Atemmuskulatur hat er „so, auf den ersten Blick und ohne das Gerät jetzt wirklich in der Hand gehabt oder ausprobiert zu haben, nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil.“

Preisgekrönt

Ich habe das Teil dennoch bald zur Seite gelegt. Trotz der von meinen Mitschwimmern erwähnten Vorteile und Möglichkeiten. Trotz der zahlreichen euphorischen Testberichte im Web. Trotz der Preise. Trotz der Bekenntnisse von 1001 Weltmeistern, Profis, Extremschwimmern, Apnoe-Tauchern und anderen Wassersportlern, die den Powerbreather als grandioses Tool ihres alltäglichen Trainings hochleben lassen.

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©Tom Rottenberg

Wieso? Weil ich mit dem Teil zwar richtig Spaß im Wasser hatte (und mich auch darauf freue, nächste Woche in Kroatien damit schnorcheln zu gehen), ich bei meinem Alltagstraining – ich schwimme einfach ein paar Kilometer und trainiere eigentlich nie spezifisch Technik oder andere Dinge, bei denen ich ohne Kontrolle und Anleitung ohnehin nur Fehler einzementieren würde – aber lieber die „normale“ Atmung als fixes Element übe.

Widerstand

Außerdem sind da die Argumente „meiner“ Trainer: Harald Fritz und Georg Pruscha. Die kennen einander zwar nicht persönlich, sind sich aber einig, „das Ding da“ (Fritz) nicht zu mögen. Unter Anderem (Pruscha), „weil die Röhren neben dem Kopf den Widerstand signifikant vergrößern“. Außerdem gehe es bei Schwimmern in meiner Liga eben auch um das Automatisieren der richtigen Bewegungsabläufe.

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Und dann wäre da noch die Sache mit dem „Predator“. Obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich just diesen Punkt nicht doch anders sehe als Georg Pruscha.

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©Tom Rottenberg